Joel Holland, David Dodge
NYC Street Vendors. Food Trucks, Coffee Carts, Market Stalls, and More
Vorwort: Jaeki Cho
Hardcover, 176 Seiten, 220 Bilder
ISBN: 978-3-7913-9372-8
März 2026, 30 Euro, Engl.
New Yorks
vielseitige Streetfood-Szene
Joel
Holland (Foto unten rechts) ist ein international anerkannter Illustrator. Er lebt in New York City,
seine Arbeiten wurden schon weltweit ausgestellt und z.B. in The New York
Times, The New Yorker oder im New York Magazine publiziert. Zusammen mit David Dodge – New Yorker Journalist, der u.a. für die
NY Times arbeitet – wurde nach dem bereits früher hier besprochene Buch
"NYC Storefronts" der vorliegende Band kürzlich im
Prestel-Verlag München publiziert.
Die Zeichnungen von Holland sind - wie gewohnt -
treffend und witzig, auf dem Punkt und machen Spass. Gezeigt werden in über 150
Bildern Verkaufsbuden aller Art – Verkaufswägelchen (pushcarts), Foodtrucks,
Pop-ups, Messerschärfer und mobile Bookstores. Dazu geht es um Märkte wie den
Union Square Greenmarket, um Night Markets oder den "Gourmetmarkt" Smorgasburg.
Dodges Texte beschreiben, was angeboten wird, wer der Besitzer ist, was
dahintersteckt, beleuchtet die Geschichte und die Hintergründe.
Jaeki Cho
(vom SM-Kanal "Righteous Eats") befasst sich im Vorwort mit dem Thema
Streetfood in NYC allgemein. Wo kommt es her, was ist es: deutsche Hot Dogs, jüdische
Knishes, italienische Eiscreme, südamerikanische oder mexikanische
Schnellgerichte. Der Straßenverkauf ist ein Überlebenstest, Ort und Konzept müssen
stimmen, das Wetter darf keine Rolle spielen und ein gewisser Mut ist nötig,
denn ein Sicherheitsnetz gibt es nicht immer. Die Bürokratie ist oft
überwältigend, die Zahl der Stände limitiert, der Graubereich groß. Lizenzen
werden unter der Hand verkauft, Bestrafungen und Schließungen stehen an der
Tagesordnung.
Dennoch
sind die Straßenstände bis heute ein wichtiger Teil der Wirtschaft und der Kultur
in New York City. Aufgeblüht war das Business im 19./20. Jahrhundert mit dem
Zustrom von Immigranten aus aller Welt. Heute soll es rund 23.000
Straßenverkäufer in NYC geben, davon über 90 % Einwanderer aus mehr als 60
verschiedenen Ländern!
Buntes
Kaleidoskop
Bei der Auswahl und Anordnung im Buch kommt man dann
allerdings etwas ins Stolpern, aber vielleicht ist ja gerade - wie bei den
Zeichnungen - diese "Buntheit" beabsichtigt? Es geht um Persönlichkeiten wie
Militärveteranen oder besonders mutige Unternehmer/innen, es kommen die
Klassiker vor wie Mister Softee, der King of
Falafel & Shawarma, der Dosa Man, und dazu ein breites Spektrum an Küchen: Tamales,
afghanische Kost bei Nansense, Birria-Landia, Jamrock Jerk u.v.a. Es geht um
Märkte, aber auch um Zeitungsstände (die es mittlerweile kaum mehr gibt) und
nicht zuletzt um Dienstleister wie Messerschleifer, Reparaturdienstleister oder
mobile Barbiere und Poeten-auf-Abruf.

Einerseits werden kulinarische Gruppen und ihre
Vertreter vorgestellt, zum Beispiel die Hot Dog Vendors ("erfunden" von dem
polnischen Immigranten Nathan Handwerker) und u.a. perfektioniert von Dominick's. Oder aber die Churros-Ladies, die vor allem in Subway-Stationen,
vielfach illegal, leckeres Gebäck verkaufen. Obststände wie jene entlang dem
Broadway bieten frischeste Ware zu günstigen Preisen an. Coffee Carts sind vor
allem griechischen Zuwanderern der frühen 1900ern zu verdanken. Viele der Buden
befinden sich noch heute in griechischem Besitz, wie man leicht an den
blau-weißen Pappbechern mit Mäandermuster und der Aufschrift "We are happy
to serve you" erkennen kann. Im Laufe der Zeit sind Gourmet-Kaffeestände wie
"Mud Truck" oder die "Espresso Guys" dazugekommen.
Halal
Food Vendors sind meist Einwanderer aus Ägypten, Bangladesh, Pakistan. Sie
boten ursprünglich nur das nach moslemischen Essensvorschriften zubereitete
Essen an. Bekannt wurden z.B. The Halal Guys, ägyptische Immigranten, die seit
1990 im Geschäft sind. Soft Pretzels – quasi bayerische Brezen – sind natürlich
Sache der deutschen Immigranten, sie werden in den USA aber gerne mit Senf
gegessen. Ein bekannter Brezen-Bäcker heißt "Sigmund's Pretzels".
Ein andes
"Genre" sind die Märkte, die verschiedene Verkaufsstände an
einem Ort vereinen. Musterbeispiel
ist der Union Square Greenmarket (links), der 1976 durch GrowNYC ins Leben gerufen
wurde und direkt von lokalen Farmern und Bäckern bestückt und von
Küchenchefs geschätzt wird. Verkäufer wie Lani's Farm aus New Jersey, Springs
Fireplace (Pepper & Salsa), Andrew's Honey (Foto unten) oder die Mushroom Queens (Foto unten) gehören
dazu.

Brooklyn Flea, Chelsea Flea oder der Queens Night Market sind saisonale
(Floh-)Märkte. Letzterer lockt an Samstagabenden von April-Oktober rund 20.000
Besucher zu den rund 100 Ständen, darunter Treat Yourself Jerk, Art Cotton
Candy oder Nansense (afghanisch). Auch Smorgasburg kann als Gourmet-Food-Market
mit exquisiten Imbissstationen wie Mao's
Bao (Chinese Buns) oder Red Hook Lobster Pound aufwarten.
Althergebrachtes und Brandneues
Schließlich geht es im Buch um einzelne Ikonen, Newcomer
und Traditionsstände, die teils von besonderen Charakteren geführt werden, wie
NY
Dosas
mit dem "Dosa Man" aus Sri Lanka. Er hatte in der Green Card Lottery
gewonnen, kam in die USA und eröffnete im Greenwich Village einen Essensstand
mit (vegetarischer) südindischer Küche. Freddy Zeideia serviert als "King
of Falafel & Shawarma" authentisch palästinische Küche, und das seit
2002! Auch der Veteran Dani Rossi ist mit seinem Stand "New York Hot Dog
King" vor dem Metropolitan Museum seit 2007 legendär geworden.
Neuere
Erfolgsgeschichten sind Birria-Landia (mexikanisch, Foto links) oder Jamrock Jerk (oben), der
als erster Wagen in NY ganz legal mit Grill und Räucherofen ausgestattet war. El
Rey del Taco, Calexico, Latino Bites, Evelia's Tamales oder die Arepa Lady und
Stan's Taco Bike bedienen den latein- und südamerikanischen Geschmack. Auch die
Piragua Carts mit "Shaved Ice" sind meist in puertorikanischer Hand.
Uncle
Gussy's (seit 1971) oder die Souvlaki Lady servieren Griechisches, Banh Mi Cart
vietnamesische Kost und Gourmet-Foodtrucks wie D'Angelo's
Sausages begeistern jüngere Generationen. Deftig wird es bei Mo's Famous
Burgers, Father & Son's Kitchen & BBQ oder Steak Freak. Schon allein
äußerlich auffällig ist der Hip Hop Food Truck in der Bronx. Nachtisch gefällig?
Nuts4Nuts (geröstete Nüsse) - heute auch online und in allen 50 US-Staaten
erhätlich – oder Vinny's Nut House bzw. Steve's Authentic Key Lime Pie sind
ideal dafür.
Es geht in dem Band aber auch um Dienstleister wie
Messerschleifer oder mobile Barbiere – wie Harlem's First Mobile Barber Linwood
Dillard, der nach Mieterhöhung nun einen Ford E-350 Bus nutzt. Dazu gehört auch "Shoeshine",
jene legendäre Schuhputzer wie sie v.a.
an Subwaystationen oder vor Bürogebäuden seit Mt. 20. Jh. zu finden sind.
Abgesehen
von dem NY Public Library Bookmobile (der "library on wheels")
existieren fahrende Buchverkäufer wie Charles Mysak, Common Books oder das
Nonbinarian Book Bike (unten). Eine mobile Änderungsschneiderei, ein
Telefon-Reparaturservice und schließlich Künstler wie der Park Poet, der
Gedichte auf der Straße nach Wunsch schreibt oder Oriel Ceballos mit seinen Cartoons.
Ob Straßenkünstler wie die TS Performers oder Prediger ebenfalls in die
Kategorie "Street Vendors" fallen, ist dagegen fragwürdig.
Dieses
Buch kann kein vollständiges, systematisches Nachschlagewerk sein, sondern es ist eher
unterhaltsamer Lesestoff. Man sollte den Notizblock daneben liegen haben, um
sich für den nächsten NY-Besuch Notizen zu machen. Und am Buchende im Kapitel
"Index and Vendor Information" nachsehen, wo sich Webseiten und
Insta-Accounts finden. Damit kann man sich dann informieren, wo genau und wann man
einen bestimmten Verkaufsstand finden kann.
©Text: Margit Brinke
©Fotos: Zeichnungen ©Joel Holland, 2026, Foto JH: ©Maxwell Schiano, Buchcover ©Prestel Verlag München, alle anderen: ©Margit Brinke