Lisa Cutler, The Hook
A Photographic Journey Through Red Hook, Brooklyn
Texte von Simon Bainbridge, Lisa Cutler
Gestaltet von Benjamin Wolbergs
176 Seiten, 107 Farbabbildungen
Kehrer Verlag Heidelberg
Englisch, ISBN 978-3-96900-207-0, 55 €
I discovered Red Hook by chance, making a wrong turn leaving the
Smith Street subway station in Brooklyn, New York. Over the next two
years, I returned to photograph this urban, gritty wonderland. I found
a postindustrial part of the city where the story is in the quiet details.
So Lisa Cutler, deren Fotos in einem neuen Bildband im Kehrer Verlag das Viertel Red Hook in Brooklyn/New York in neuem Licht vorstellen. So fern man "Red Hook" bis dato überhaupt kennt... Falls ja, denkt man wohl zuerst an IKEA, dann vielleicht an den Kreuzfahrtschiffhafen, den Brooklyn Cruise Terminal, wo Luxuskreuzer wie die Queen Mary anlegen. Das Stadtviertel liegt am westlichen Rand von Brooklyn und wurde so benannt , weil es quasi hakenförmig in die New York Bay hineinragt und auf roter Erde erbaut wurde.
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| ©Lisa Cutler/Kehrer Verlag |
Und zwar – wie man in der interessanten Einleitung von Simon Bainbridge erfährt – von niederländischen Siedlern, 1636, unter dem Namen "Roode Hoek". Das Areal entwickelte sich bis zum späten 19. Jahrhundert zu einem der verkehrsreichsten Industriehäfen der Welt. Während der Unabhängigkeitskriegs, 1775-83, war es militärisch ein strategisch wichtiger Punkt und in den 1850ern, beim Bau des Erie Canals, bedeutender Getreideumschlagpunkt. Ab den 1920er-Jahren setzte dann der Niedergang ein: Kriminalität und Armut wuchsen. Hier begannen Al Capone und die Gallo Brothers ihre "Karrieren", während der Great Depression in den 1930ern sprach man von "The Bitter Desert" und Henry Miller bezeichnete Red Hook als den "Schlund von New York". Die Handelsrouten hatten sich verlagert und die Industrie war eingebrochen. Der Bau des Gowanus Expressway (Foto oben) in den 1930er-Jahren hatte Red Hook zudem isoliert, denn die vielspurige Straße auf einer Hochtrasse hatte das Viertel brutal zerschnitten, ganze Häuserblöcke vernichtet und viele Leute heimatlos gemacht.
| ©Margit Brinke |
| ©Margit Brinke |
In den letzten Jahren hat sich die
postindustrielle Landschaft von Red Hook dennoch verändert und es wird überall "verschönert" (z.B. mit dem Valentino Pier Park) und gebaut. Red Hook ist zum „work in progress“
geworden. Kreative Leute haben Geschäfte eröffnet, Künstler, Intellektuelle und
Aussteiger sind hergezogen, teils in historische Lagerhäuser, teils in die
heute begehrten historischen kleinen Reihenhäuser (Foto links oben) entlang und um die Hauptachse
des Viertels, die Van Brunt Street.
| ©Margit Brinke |
| ©Margit Brinke |
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| ©Lisa Cutler/Kehrer Verlag |
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| ©Lisa Cutler/Kehrer Verlag |
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| ©Lisa Cutler/Kehrer Verlag |
Ihre Fotos zeigen Lagerhäuser aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg und Reihenhäuser, die im 19. Jh. für die Hafenarbeiter errichtet worden waren, die einst im riesigen Getreidehafen im Henry Street Basin arbeiteten. Der Red Hook Park, der später hier angelegt wurde, wird auf Cutlers Fotos mit Zaun verschlossen und von der Natur überwachsen gezeigt. Auf den Bildern sieht man ein "no-man’s-land of warehouses" mit von Bauzäunen abgegrenzten Laderampen, leere Parkplätze mit Müll, aufgelassene Piers, geschlossene Rolläden, Industriearchitektur neben neu renovierten Häusern, hier Schmutz, dort Kreativität (unten). Nie aber sind auf den Fotos Personen zu sehen, lediglich "menschliche Relikte", z.B. Stühle oder Tische oder Graffiti. Ihre Fotos arbeiten v.a. mit vertikalen und horizontalen Linien in einer Landschaft, in der es keine hohen Gebäude und kaum Bäume gibt – dafür Tore und Laternenpfähle und Zäune.
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| ©Lisa Cutler/Kehrer Verlag |
| ©Margit Brinke |
©Margit Brinke
©Text: MB, Fotos: Kehrer Verlag bzw. Margit Brinke (wie angegeben) |
























